Ayrton Senna 🇧🇷 🇦🇹

Brasilien 🇧🇷 / Österreich 🇦🇹; Heute am 1. Mai vor 26 Jahren starb der brasilianische Formel-1-Star Ayrton Senna.

Der Tag, an dem die Sonne vom Himmel fiel.

Gerhard Berger

Der Williams-Pilot, der dieses Jahr auch 60 geworden wäre, prallte in der berüchtigten Tamburello-Kurve beim Großen Preis von San Marino ungebremst gegen die Mauer. Ermittlungen zufolge wurde er von einer Radfelge am Kopf getroffen und starb noch auf der Unfallstelle.

In dem Moment, in dem du der Schnellste geworden bist, bist du auch enorm zerbrechlich. Im Bruchteil einer Sekunde kannst du weg sein.

Ayrton Senna

Vier Tage später wurde er in seiner Heimatstadt Sao Paulo beigesetzt. Das Begräbnis in São Paulo wurde zum Staatsakt. Die letzten Meter wurde der Sarg neben Formel-1-Rivale Alain Prost auch vom österreichischen Formel-1-Star Gerhard Berger getragen. Auf den Straßen trauerten Hunderttausende um Senna, der für die BrasilianerInnen weit mehr als nur ein dreimaliger Formel-1-Weltmeister (1988, 1990 und 1991) war.

Es war, als hätte man einen König zu Grabe getragen.

Gerhard Berger

Nach Sennas Unfall wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Tagelang war die Stadt wie gelähmt, die Kriminalitätsrate sank deutlich. Heute sind in Brasilien mehr als 100 Straßen, Plätze und Gebäude nach Senna benannt.

Für viele war er aufgrund seines Charismas der Größte. Seine Popularität ist bis heute ungebrochen. Dabei ist sie nicht nur seinen Fahrkünsten (besonders bei Regen) zuzuschreiben. Er galt als introvertierter Denker, der das große Ganze im Blick hat.

Es gab Zeiten, da war der Williams eine Sekunde schneller als der McLaren. Die Lücke war kaum zu schließen. Ayrton saß neben mir, kündigte eine Bestzeit an. Ich hielt es für unmöglich. Wie willst du das anstellen, habe ich ihn gefragt. Er hat gelächelt und das Auto auf Pole gestellt. So war Ayrton, so hat er funktioniert. Irgendwo hat er die Zeit gefunden.

Gerhard Berger, 2019

Man sagt ihm nach, dass er anders als viele SpitzensportlerInnen war. Er philosophierte, über den Sport, über die Religion, über die Menschen. Und dazu dieses Lächeln, das verzaubern konnte, und die Tränen, die er manchmal nicht zurückhalten wollte. Deshalb ist er in Brasilien auch ein Idol, mehr denn je. Er sah den Betrug im eigenen Land, er wollte den Armen und den Ausgebeuteten helfen. Er engagierte sich für die Kinder der Armen, übernahm Operationskosten und ließ sich schriftlich zusichern, dass nie SpenderInnen bekannt würden. Er gründete eine Stiftung, die seine Schwester führt.

Die Reichen können nicht weiter wie auf einer Insel in einem Meer der Armut leben.

Ayrton Senna

So wie Adrian Newey, Design-Guru des Motorsports und Entwerfer des Wagens, in dem Senna verunglückte, ist auch mein Freund der Meinung „Wenn er nicht umgekommen wäre, wäre er heute vielleicht Präsident Brasiliens“ und spricht von einem kulturellen Phänomen und einer kollektiven Erinnerung der BrasilianerInnen, die unser Sohn nie haben wird, weil er in Österreich aufwächst. Jegliche Kritik am Heldentum oder Vergleiche wie zB mit dem Tod von Prinzessin Diana (die ist im Vergleich zu Senna “Medien-gemacht”), habe ich gleich wieder verworfen, denn zu groß ist das Unverständnis auf beiden Seiten! 🙈 “Senna hat Brasilien Hoffnung geschenkt. Durch seinen Tod verloren die Menschen nicht nur ein Idol, sondern auch die Hoffnung auf ein besseres Leben, ein Symbol des Aufbruchs. Er hat Spuren hinterlassen”, so mein Freund.

Aber nicht nur für die BrasilianerInnen ist Senna ein Held. Auch Lewis Hamilton verehrt Senna und Rekordweltmeister Michael Schumacher schaute Zeit seiner Karriere zu dem Brasilianer auf. So brach Schumacher auch in Tränen aus, als er 2000 die 41 Rennsiege des einstigen Widersachers egalisierte. Senna sei aus vielerlei Gründen einer der Größten, betonte auch einmal der vierfache Ex-Weltmeister Sebastian Vettel.

Was er in so kurzer Zeit erreicht hat und wie präzise er hinter dem Lenkrad war, war einzigartig.

Sebastian Vettel

Senna konnte 41 Rennen bei 161 Starts gewinnen. 65 Mal stand er auf der Pole Position – auch am 1. Mai 1994 als für ihn das letzte Mal die Roten Ampeln ausgingen. Mit drei Weltmeistertiteln und 41 Grand-Prix-Siegen war er einer der erfolgreichsten Formel-1-Fahrer der Geschichte. Heute erinnert ein Denkmal in Imola an das schwarze Wochenende vor 26 Jahren.

Quelle: pa/DPPI/FRANCK FAUGERE
Quelle: pa/DPPI/FRANCK FAUGERE

Er hat das Rennfahren als Metapher für das Leben gesehen, und er hat es genutzt, um sich selbst zu entdecken.

Formel 1

Apropos: Schon im Freitagstraining hatte Sennas brasilianischer Landsmann Rubens Barrichello einen schweren Unfall mit viel Glück überlebt. 24 Stunden später, am 30. April 1994, starb der österreichische Formel-1-Fahrer Roland Ratzenberger. Der Frontflügel seines Simtek S941 war gebrochen, Ratzenberger ungebremst mit Tempo 300 in die Begrenzungsmauer eingeschlagen. Auch er verstarb genauso wie Senna noch am Unfallort mit 34 Jahren. Einen möglichen Sieg in Imola 1994 hätte Senna Ratzenberger gewidmet. Im Wrack lag eine kleine rot-weiß-rote Fahne.

REFERENZEN: 

Gerhard Berger: So war Ayrton 

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