Carneval

Brasilien 🇧🇷 / Österreich 🇦🇹; Während vielerorts in Österreich die Faschingsfeiern heute beginnen und ihren Höhepunkt am Dienstag haben, steckt auch ganz Brasilien schon im Karnevalfieber. Kein Wunder, gehört der Karneval zu Brasilien, wie der Opernball zu Österreich. Mehr noch, Karneval ist in Brasilien einer der wichtigsten Feiertage des Jahres.

Die Feiern beginnen in Brasilien meist allerdings schon einige Wochen vorher. In São Paulo war ich auch schon Ende November Teil einer Mini-Karnevalparade. Wie der Beginn ist auch das Ende nicht in Stein gemeisselt. In einigen Teilen Brasiliens wird auch noch einige Tage nach Aschermittwoch gefeiert. Die BrasilianerInnen lieben ihren Karneval heiß und innig und wollen am liebsten gar nicht damit aufhören.

Wenn es um den Karneval geht, wird jede brasilianische Stadt zu einem Erlebnis. Rio de Janeiro ist natürlich der bekannteste Ort zum Feiern. Hier wird der berühmteste Samba getanzt. Der farbenfrohe Umzug der Sambaschulen, die „Blocos de Carnival“, ist weltweit bekannt. Während die „Blocos“ mit knapp bekleideten TänzerInnen durch die Stadt ziehen und die BesucherInnen sich ihnen anschliessen, findet im Station „Sambódromo“ jedes Jahr die offizielle Samba-Parade statt.

Hier wird der Karneval genau wie in São Paulo – angeblich soll hier dieses Jahr die größte Faschingsparty Brasiliens stattfinden – gemeinsam mit den ZuschauerInnen in den Paraden gefeiert. In Salvador hingegen tanzt man, ähnlich wie bei österreichischen Faschingsumzügen, zu Musik aus riesigen Boxen von fahrenden Lastwagen aus, den „Trio Elétricos“.

Da in Brasilien auch gerade noch Sommer ist, liegen die Temperaturen tagsüber bei 30 bis 40 °C und es wird erst in der späten Nacht erträglich. Das stört aber gar nicht, denn gefeiert wird bis in die tiefe Nacht hinein. Oder eben im klimatisierten Flughafen:

Aber nicht nur am Flughafen, überall gibt es Partys, verkleidet oder nicht.

Woher kommt die Samba Tradition?

Den ersten Karnevalsclub gründete der Portugiese José Nogueira Paredes. Seiner Idee war es, jedermann im Club dazu zu bringen, auf der Trommel denselben Rhythmus zu spielen, um so einen einheitlichen Klang zu erzeugen.

Diese Technik wurde grundlegend für die „Bateria“ oder auch „Rhythmusgruppe“ der modernen Sambaschulen. Die Clubs der Arbeiter- und Mittelklasse heißen „Blocos, Ranchos oder Cordoes“ und spielten aus Europa stammende Balladen, die zum Teil immer noch beliebt sind.

Im 19. Jh. hatten diese Clubs oft eine wohltätige oder, wie beim Clube dos Socialistas, eine rein politische Zielsetzung und waren auch außerhalb der Karnevalszeit aktiv. Im späten 19. Jh. nahmen erstmals Schwarze am Karneval teil.

Ab 1840 wurde der Karneval ein Fest des Bürgertums. Veranstaltungen in noblen Ballhäusern und die Entstehung von finanzkräftigen Karnevalsgesellschaften wurden zum Alltag. 1928 entstand in Rio de Janeiro die erste Sambaschule Mangueira. Bis heute ist der Karneval von dieser historischen Ambivalenz zwischen spontanem Volksfest und organisierter Bürgerveranstaltung geprägt. Beide Formen bestehen nebeneinander, vermischen sich und grenzen sich regional auch einander aus.

In welchen Regionen Brasiliens wird noch alles gefeiert und wie?

Am traditionellsten wird in Recife und Olinda gefeiert. Dabei werden die Hüften in Recife zu Frevo (= ein schneller Rythmus, der in die Beine geht) und Maracatu geschwungen, während in Olinda das historische Stadtzentrum mit gigantischen Pappmaché-Puppen (Bonecos de Olinda) gefüllt wird. In beiden Orten entspricht der Karneval einer Art Art Open-Air-Maskenball im Stil von Venedig. Die größte Konkurrenz für Rio ist der Umzug in Salvador da Bahia. Er gilt dem Guinness-Buch der Rekorde zufolge als der meistbesuchte Karneval, präsentiert sich verstärkt afrobrasilianisch und soll für die Wiederbelebung des populären Straßenkarnevals stehen. Es wird nicht Samba getanzt, sondern der typische Musikrhythmus ist Axé und Afoxé. Gleichzeitig gibt es dort auch nicht wie in Rio Sambaschulen, sondern die “blocos”. Für die Teilnahme an einem bloco muss man zahlen. Wer kein Geld hat, tanzt außerhalb der Reihe trotzdem mit und wird deshalb “pipoca” (= Popcorn) getauft, so heißt übrigens auch der Hund von meinen Schwiegereltern! 🙂

Auch in Ouro Preto, Porto Alegre und Florianópolis sorgen Livebands für Stimmung. Und gerade Florianópolis zieht im Februar viele BrasilianerInnen aus dem Landesinneren an, die nach dem Motto “morgens am Strand bräunen und abends feiern” dort verweilen. In punkto Musikstil ist erlaubt, was gefällt. Deshalb wird dort von Axé bis Samba alles angeboten.

Wer den Karneval ruhiger genießen möchte, der ist an Ferienorten wie Buzios, Ilha Grande und Paraty gut aufgehoben. Hier wird ebenfalls gefeiert, doch etwas entspannter und nicht in riesigen Menschenmassen und mit übermäßig lauter Musik.

Share:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.