Scherbenmeer

Die letzten Wochen und Monate ist es sehr ruhig auf diesem Blog geworden und ich habe sehr lange darüber nachgedacht, ob ich über die Gründe hier schreiben soll oder nicht. Ich habe mich schlussendlich dafür entschieden, es zu tun. „Brasilien – Österreich“ und die „Liebe ohne Grenzen“ ist an ihren Grenzen zerbrochen und Schuld daran war nicht, dass wir nicht streiten konnten, sondern ein konstruktives Streiten nicht gelernt haben.

Wir alle wissen, dass das Empfinden in einer Partnerschaft immer mal wieder anders ist: mal fühlt es sich gut an, dann wieder nicht. Es gibt keine perfekte Frau, auch keinen perfekten Mann und keine perfekte Beziehung. Es gibt aber Punkte, an denen man ablesen kann, ob eine Beziehung einer gelingenden Partnerschaft entspricht oder nicht. Für mich gehört dazu jedenfalls nicht, zu streiten und sich dabei heftige und derbe Dinge an den Kopf zu werfen.

Mit einer solchen destruktiven Streitkultur, wer recht hat und schuld ist, bin ich aufgewachsen, und so will ich mein Kind nicht aufwachsen sehen. Was „Brasilien – Österreich“ betrifft, nehme ich mich auch gar nicht aus der Verantwortung. Zu oft habe ich kein Fair Play gespielt und die Regeln der gewaltfreien Kommunikation missachtet. Wir können über alles reden, hat zwischen „Brasilien – Österreich“ nicht funktioniert. Hingegen lautete die Devise „Ich will gewinnen“, anstatt „wir wollen gewinnen“ und aufeinander zugehen. „Immer machst du das und das“, „Nie tust du das und das“ – auch diese Pauschalvorwürfe gehörten zu den unfairen Mitteln unserer Streits.

Es war der Klassiker: der Streit um den liegen gelassenen Schwamm im Waschbecken oder das Chaos beim Kochen. Dabei ging es nicht um den Schwamm oder das Chaos per se, sondern vielmehr darum, der andere respektiert die Wünsche nicht. Lappalien, die sich aufgestaut haben. Der Gedanke im Alltag immer wieder erdulden zu müssen und der Blick in die Zukunft, von 1000 Schwämmen, die der andere in den nächsten Jahren liegen lässt – so wurden die Streits ständig zu Grundsatzdebatten und die Diskussionen oft so heftig und derb, dass ich mich für meinen Teil oft selbst vor mir erschrocken habe.

Gleichzeitig ging es (zumindest gefühlt) nur darum, dem anderen bloß etwas vorschreiben zu wollen und ihn in die Rolle eines unmündigen Kindes zu katapultieren. So oft ging es bei uns darum, wie man etwas sagt. Gefühlt war es ständig aggressiv und ein persönlicher Angriff. Und obwohl ein altes Sprichwort heißt, „Wer schreit, hat Unrecht“ haben wir geschrien. Wir haben die ganze Palette unserer Waffen ausgeschöpft, vom eisigen Schweigen über Schimpfwörter bis hin zu „geh doch zurück nach Brasilien“ war alles dabei.

Nach einer Weile hat sich der Streit so weit hochgeschaukelt, dass keiner mehr einen Ausweg aus der Spirale wusste. Gleichzeitig wussten wir oft gar nicht mehr, was der Ausgangspunkt unseres Streits war.

Wir haben es nicht geschafft, ein empathisches Aufeinandereingehen in den Mittelpunkt zu stellen, unsere Anliegen und Empfindungen gleichwertig zu berücksichtigen und einzubeziehen. Wir haben es nicht geschafft, ein partnerschaftliches Miteinander zu schaffen, das frei von ungleichen Dominanzverhältnissen, Schuld, Scham und Strafe ist. Wir haben es nicht geschafft, uns respektiert, geliebt und verstanden zu fühlen – unabhängig davon, ob wir die andere Sichtweise oder das Handeln teilen.

„Brasilien – Österreich“ und die „Liebe ohne Grenzen“ ist an ihren Grenzen zerbrochen.

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